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Anleihen

Von: Martin Niemeyer

Anleihen: Festverzinsliche Wertpapiere vom Staat und von Unternehmen

Siehe auch: Sichere Geldanlage I Tagesgeld I Festgeld I Anleihen I Aktien I Fonds I Forex

Anleihen stehen zwischen Festgeld / Tagesgeld und risikoreicheren Anlagen wie z.B. Aktien. Trotzdem gelten Anleihen im Allgemeinen als vergleichsweise konservative Form der Geldanlage. Allerdings sind die Zeiten, in denen Anleihen pauschal als "langweilig" und "sicher" bezeichnet werden konnten, schon lange vorbei. Der Markt für Anleihen ist in den letzten Jahren stark gewachsen und so erstaunt es nicht, dass es für Privatanleger immer schwieriger wird, den Markt für Schuldverschreibungen überhaupt noch zu überblicken. Wir wollen mit diesem Artikel die Grundlagen zum besseren Verständnisses der Anleihe als Anlageform für Privatanleger legen.

 

Definition Anleihe: Was sind Anleihen, Rentenpapiere oder Obligationen?

Anleihen oder Rentenpapiere sind per Definition grundsätzlich Schuldverschreibungen. Im Rahmen einer Anleihe überlässt der Anleger als Anleihegläubiger dem Emittenten (z.B. Unternehmen) einen festgelegten Geldbetrag und erhält im Gegenzug die Zusage des Anleiheschuldners, die Schuld zu einem festgelegten Termin zu tilgen und den Nennwert der Schuldverschreibung gegebenenfalls zu verzinsen. Aufgrund der Tatsache, dass es es im Rahmen einer Schuldverschreibung regelmäßig zu einer Verzinsung kommt, spricht man auch von Rentenpapieren. Anleihen werden genauso wie Aktien an der Börse gehandelt.

Das Anlagerisiko von Anleihen

Anleihen gelten als verhältnismäßig sicher. D.h. sie werden als eine sicherere Anlage als Aktien angesehen, aber als unsicherer als Tagesgeld oder Festgeld, die über den Einlagensicherungsfonds zusätzlich abgesichert sind.

Eine hohe Aussagekraft und eine dementsprechende Wirkung auf die Kurse von Anleihen besitzen die Ratings auch heute noch, obwohl fast alle Rating Agenturen im Zuge der Finanzkrise in die Kritik geraten sind. Denn auch Unternehmen mit einer vermeintlich hervorragenden Bonität sind im Zuge der Finanzkrise insolvent geworden und konnten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Die Folge: Anleger, die sich auf das Bonitätsurteil der Agenturen verlassen hatten und in die entsprechenden Unternehmen investierten, erlitten teilweise einen Totalverlust.

Aber auch wenn es nicht zu einem Zahlungsausfall kommen sollte, bringt die Anlege in Anleihen Risiken mit sich. Diese werden vor allem bei einer Anlage deutlich, die nicht bis zum regulären Rückzahlungstermin erfolgen soll. Denn grundsätzlich werden Schuldverschreibungen zwar zum Rückzahlungstermin zu 100 Prozent des Nennwertes zurückgezahlt, während der Laufzeit kann es aber zu erheblichen Kursschwankungen kommen, die beispielsweise aufgrund von konjunkturellen Entwicklungen, Analystenkommentaren oder Ratingänderungen zu Stande kommen können.

Darüber hinaus bestehen weitere Risiken bei der Anlage in Anleihen. Hier ist insbesondere auch auf ein eventuelles Währungsrisiko einzugehen, welches immer dann zu Stande kommen kann, wenn Anleihen in einer fremden Währung erworben werden (beispielsweise in US Dollar lautende Schuldverschreibungen von amerikanischen Unternehmen). Das Währungsrisiko entsteht hierbei durch die ständigen und unvorhersehbaren Wechselkursschwankungen zwischen den entsprechenden Währungen (zum Beispiel EUR / USD).
 

Die Bonität des Gläubigers

Die Verzinsung einer Anleihe wird auch dann gezahlt, wenn das Unternehmen oder der Staat keine oder sehr geringe Gewinne macht bzw. ein Haushaltsdefizit ausweist. Anleihen sind Fremdkapital und der Käufer ist Gläubiger des Emittenten. Nur im Falle einer Insolvenz des Emittenten muss der Anleger mit einem Verlust rechnen. Die Anleihen werden zwar bevorzugt gegenüber Aktien aus der Insolvenzmasse bedient. Meist reicht diese jedoch nicht aus, um die Schulden einer Firma komplett zu tilgen. Deshalb ist die Bonität des Emittenten das ausschlaggebende Kriterium um das Risiko einer Anleihe einschätzen zu können.
Die Höhe der Verzinsung hängt im Wesentlichen von der Bonität des Anleiheschuldners ab. Ein Emittent mit einer hervorragenden Bonität muss am Kapitalmarkt naturgemäß deutlich weniger Zinsen bezahlen als ein vergleichbarer Schuldner mit entsprechend schlechterer Bonität. Dies liegt daran, dass Anleger bei einem gleichen Zinssatz natürlich dem Emittenten Geld leihen, der eine bessere Bonität vorweisen kann. Gerade für Unternehmen mit einem hohen Fremdkapitalbedarf ist die eigene Bonität daher von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

 

Bundeswertpapiere und Staatsanleihen

Über Anleihen kann also Fremdkapital aufgenommen werden. Gläubiger sind alle Akteure, die Anleihen auf dem Kapitalmarkt oder bei Auflage direkt vom Emittenten kaufen. Neben der Kreditfinanzierung durch Banken ist es die gängigste Methode an Fremdkapital zu kommen.

Nicht nur Unternehmen nutzen Anleihen als Möglichkeit zur Refinanzierung. Auch Staaten (und ihre unterschiedlichen Körperschaften, wie Städte und Gemeinden, Landesregierungen oder die Bundesregierung selbst) setzen Anleihen (Bundeswertpapiere) ein, um Ausgaben, die nicht über Steuereinnahmen gedeckt sind, über die Kapitalmärkte und die Aufnahme neuer Schulden zu refinanzieren. Anleihen der Bundes Republik Deutschland heißen Bundesanleihen.

Ratingagenturen

Die Bonität der Anleiheemittenten auch die von Staaten und damit auch von Bundeswertpapieren wird in der Regel von unabhängigen Rating Agenturen bewertet. Dazu zählen beispielsweise Feri, Moodys, Standard & Poors oder Fitch. Mit Hilfe komplexer Ratingverfahren bewerten diese Agenturen die betreffenden Unternehmen unter Liquiditäts- und Bonitätsgesichtspunkten. Als Ergebnis entsteht ein sogenanntes Bonitätsrating, welches Auskunft über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls gibt. Die Bewertung erfolgt in der Regel mit Hilfe von Buchstaben, wobei ein AAA in der Regel die Bestnote darstellt, während CCC- eine besonders schlechte Bonität beschreibt. Die Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen haben in der Regel unmittelbare Auswirkungen auf den Kurs der betroffenen Anleihen.

Weitere Formen der Anleihe: Anleihenderivate

Von gewöhnlichen Anleihen zu unterscheiden, sind die sogenannten Anleihederivate oder Zertifikate, bei denen es sich formell zwar auch um Schuldverschreibungen handelt, allerdings besondere Konditionen gelten können. In der Regel sind Anleihe Derivate für normale Anleger nicht einfach zu durchblicken. Besonders die sogenannten Kreditderivate, die verschiedene Anleihen unterschiedlicher Emittenten bündeln, sind so gut wie nicht auf ihr Risiko hin zu bewerten. Die Commerzbank legte z.B. vor einigen Jahren ein Anleihenderivat auf, das Anleihen von Volkswagen, General Moters und Ford kombinierte (siehe auch: FAZ.net). Die Krux an diesen Konstrukten (sog. Colibri, Cobold oder auch Synthiaanleihe genannt): Sie weisen zwar einen sehr hohen Zinssatz auf, kombinieren aber auf der anderen Seite das Ausfallrisiko aller in diesem Derivat zusammengefassten Anleihen. D.h. das Ausfallrisiko ist deutlich größer. Es tritt ein, sobald eine Firma, deren Anleihe in diesem Derivat zusammengefasst wurde insolvent wird.

Bei der Geldanlage in Anleihen sollte daher immer die Prämisse gelten, dass nur in solche Schuldverschreibungen angelegt wird, die auch tatsächlich verstanden werden. Denn nur dann ist es möglich, die Risiken eine Anleihe unter Risikogesichtspunkten vernünftig zu bewerten.

Weiterführende Links:

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